Caminante, no hay camino, se hace camino al andar...

01Oktober
2010

Die Polizei - dein Freund und Helfer...

Liebe Menschen,
ich wollte euch nur kurz wissen lassen, dass es mir trotz versuchtem Staatsstreich gut geht. Wir hatten einen sehr bewegten Tag am Fernseher und Radio, schließlich liegt Quito (wo Schießereien und die Präsidentenbefreiung staatfanden) nur 30 Minuten weg. Ich hoffe einfach nur, dass ich meinen Flug übermorgen früh bekomme...macht euch sonst keine Sorgen, Hannahs Familie hat schon mehrere Putsche und Präsidentenstürze erlebt. Ich bin also in erfahrenen Händen... 

 

20Sept
2010

Ich trage den schmierigen Stempel der Stadt auf der Stirn...

Liebe Leute,

Wir sind seit 3 Tagen unterwegs und ich wollte kurz  ein Lebenszeichen hinterlassen. Lebenszeichen deshalb, weil wir alle an diversen Erkrankungen der inneren Verdauungsorganen zu knabbern haben und trotzdem unvernuenftiger Weise die diversen (oft fettigen) Speisen des Landes weiterhin ausprobieren.
Kurzer Lagebericht: Mt Hannahs Vater sind wir vor drei Tagen Richtung Baños gefahren, einer Stadt, die in Ecuador als beliebter Binnentourismusort wegen seiner heilenden Quellen beruehmt ist. Auf dem Weg dorthin machten wir einen kleinen Abstecher zu einem riesigen Vulkankrater, den wir munter hinunter, aber mit brennender Lunge und Schwindel (Scheitelpunkt 4100m) wieder hinaufkrakselten.
Nebenbei sahen wir riesige Canyons, die scheinbar willkuerlich in den Boden gerissen waren. Diese waren die Resultate eines grossen Erdbebens, dass das Land in zwei gerissen und zahlreiche Doerfer verschluckt hatte.
In Baños angekommen fanden wir ein nettes Hostal wo wir fuer 10 Dollar uebernachten konnten. Tags drauf leihten wir uns Fahrraeder und fuhren das Flusstal zwischen kilometerhohen Bergen hinunter. An einem rieisigen Wasserfall (Pailon de Diablo) krochen wir hinter das herabstuerzende Nass und wurden dabei ordentlich durchnaesst.

Da Baños am Fusse eines aktiven Vulkans liegt, der immer mal wieder ausbricht, buchten wir fuer den Abend eine Vulkanexpedition. Der groesste Fehler unserer Reise. Denn weder brach der Vukan aus, noch gab es eine Expedition. Statt dessen fuhren wir in einer Kolonne von 10 grell leuchtenden Partybussen mit ca. 200 Touris auf einen Aussichtspunkt um dort Schnaps zu trinken. Nebenbei konnten wir dank Nebel ungefaehr nichts sehen und als es dann anfing zu regnen, steigerte sich unser Frust ins Unermessliche. Fast hofften wir, der Vulkan wuerde ausbrechen und dem ganzen Touri-Schwachsinn ein Ende bereiten.

Bei Andi ging es sogar soweit, dass er sich am naechsten Tag von einer Bruecke stuerzte…mit einem Gummiband an den Fuessen. Dieses Event wurde auf Video festgehalten, damit der Nachwelt die angsterfuellten Blicke des jungen Mannes vor den Sturz in das 100m tiefe Flusstal erhalten bleiben. Ich versuche es alsbald hochzuladen…

Seit gestern sind wir nun in Riobamba, untergebracht im Hotel Glamour, einem riesigen Komplex, in dem wir die einzigen Gaeste sind und nachts eine alte Frau mit einem Kessel ueber den Flur schlurfte. Gruslig. Vom Besitzer erfuhren wir, dass er das Hotel erst seit Kurzem fuehrt, weil er es von seiner vor 2 Wochen gestorbenen Grossmutter geerbt hatte. Die Geschichte wurde immer beruhigender…
Heute wollen wir dann das indigene Projekt von Hannahs Tante besuchen, die hier in Riobamba aktiv ist. Momentan warten wir noch, weil sie im Umweltministerium einen Termin hat und schauen den indigenen Landwirt_innen beim Verkauf ihrer Produkte zu…

16Sept
2010

Alle Theorie ist grau, und nur der Wald und die Erfahrung sind grün...

„Gigantische, über 1000 Jahre alte Bäume wie die Ceibos wachsen hoch über die «normalen» Urwaldbäume hinaus. In den Baumwipfeln turnen Affen. Wenn sie sich wohl und unbeobachtet fühlen, «singen» sie. Über den Bäumen fliegen Papageien. In den Urwaldflüssen leben unzählige Fische. Selbst Fluss-Delphinen kann man begegnen.“

So lautet die Beschreibung für die wenigen Touristen, die es sich leisten können für 10.000 Dollar die Reise mit Juan zu machen, die wir jetzt in Kurzform erleben durften. Um die Eindrücke ein wenig sortieren zu können und die Bilder leichter zuordnen zu können, habe ich versucht Abschnitte zusammenzufassen. Ich hoffe ich erschlage euch nicht beim Lesen...

Lodge

Untergebracht waren wir in der Aramacao-Lodge, einem kleinen Dorf, dass direkt im Primärurwald, an einem Oberlauf des Amazonas liegt, der hier hundert Meter breit ist.

Die Häuser waren alle im indigenen Stil, also nur aus Naturmaterialien gebaut und standen im Umkreis über mehrere 100 Meter verstreut. Auf der riesigen Veranda hing unsere persönliche Hängematte mit Blick auf das undurchdringliche Grün. Vor uns lag der Fluss, um uns gab es riesige Pflanzen, in den Wipfeln wohnten Affen und Papageien. Flussabwärts leben die Secoyas.

Die Häuser sind bewusst nach außen hin offen, alle Geräusche des Waldes dringen ins Innere. Da wir mitten in der Nacht ankamen, kann mensch sich vorstellen was für ein Gefühl es war allein in meinem Häusschen unter dem Mückennetz zu liegen mit einem Puls von 180 und all die völlig unbekannten Geräuschen einordnen zu wollen, die direkt neben dir ertönen. Zu meinem Entzücken wurde ich dann am zweiten Morgen auch von einer Brüllaffenbande geweckt, die meinte sich direkt neben meinem Ohr ein Schreiduell liefern zu müssen.

Zu der Lodge gehört ein großes Restaurant, dass zwar nicht besetzt war, als wir uns dort aufhielten, doch an dem Blick von der Veranda über den braunen Strom in die Weiten des Regenwaldes konnten wir uns trotzdem nicht sattsehen.

 

Tiere

Hätte mich jemand im Vorfeld gefragt, wofür ich am Meisten Respekt habe, bei meinem Besuch in der Selva, hätte ich mich vermutlich nicht zwischen Schlangen und Spinnen entscheiden können. Beide nett. Um so beruhigender das Juan mich gleich in der ersten Nacht darauf hinwies, dass ich vor dem Schlafengehen unbedingt mein Bett kontrollieren soll, es könnte schonmal vorkommen, dass sich eine Tarantel verirrt. Schön. Gut zu wissen, das Hannahs Reisegefährte im Jahr zuvor eben eines dieser netten Tierchen in seinem Gepäck mit nach Hause nahm. Mein Kontrollzwang nahm in den ersten Tagen paranoide Züge an, Schuhe, Bett, Kleidung, alles musste mehrfach kontrolliert werden.

Noch besser war dann nur noch, dass tagsdarauf wenige Meter von uns entfernt eine Giftschlange mit einem Spaten enthauptet wurde. Begründung: „Für die gibt es kein Gegengift.“ Beruhigend.

Um nicht auch noch die Spinnenbegegnung unvorbereitet auf uns zukommen zu lassen, baten wir Nelson darum uns eine Tarantel auszugraben. Der Grashalm am Hals des/der Mitreisenden entwickelte sich danach zum Running Gag.

Auch vor den Congas (Riesenameisen) entwickelte ich zunehmend Respekt. Gut das ich erst hinterher bei Wikipedia las:

Beim Menschen verursacht der Stich heftigste Schmerzen. Der Stich wird als der schmerzhafteste Insektenstich überhaupt bezeichnet. Nach dem Stich-Schmerzindex (Schmidt Sting Pain Index) des US-Insektenforschers Justin O. Schmidt, der die Heftigkeit von Schmerzen auf einer Skala von 1.0 bis 4.0+ beschreibt, steht das Insekt bei 4.0+. Die Schmerzen werden oft beschrieben, als würde man bei lebendigem Leib verbrennen.

Aber auch streichelgerechtere Tiere begegneten uns. Ein Tapir im Garten des Bürgermeisters, ein Waldreh, dessen Artgenosse tags darauf kompremiert im Kochtopf zu bestaunen war, Jaguarspuren im Schlamm und nicht zu vergessen ein Frosch der dir lautquakend die Hand vollpinkelt, wenn du seinen Bauch kraulst...

 

  

Wald

Primärwald, eine Vegetation, die noch nie von Menschen gestört wurde. So dicht und grün und vielfältig, dass du kaum eine Pflanze doppelt siehst. Bei unseren zwei Urwaldsafaris lernten wir viel über die Bedeutung und Funktion der verschiedenen Pflanzen. Besonders beeindruckend sind die Flaschenbäume, die weit über die anderen Gewächse hinausragen und deren größtes Exemplar für die Secoyas als heiliger Tempel gilt.

Sonst ist der Wald tatsächlich klischeebeladen mit Lianen, Palmen und bunten Schmetterlingen ausgestattet. Letztere mögen wie uns die Leute vor Ort versicherten menschlichen Urin sehr gerne. Plötzlich hatte man ein ganz anderes Bild von all den bunten Schmetterlingshaufen am Wegesrand...

Fluss

Der Rio Aquarico ist ein Oberarm des Amazonas und das zeigt er schon sehr eindrucksvoll. Recht flott fließt die braune Brühe an dir vorbei und einmal im Wasser muss man aufpassen, dass du beim nächsten Mal auftauchen nicht schon weit abgetreiben bist.

Einen Tag haben wir eine längere Paddeltour im wackligen Einbaum den Fluss runter gemacht. Leider konnten wir dabei weder die lustigen Wasserschweine, noch die rosa Flussdelphine sichten.

Dafür kamen wir just in dem Moment an einem Fischer vorbei als dieser ein Ungetüm von Wels mit ca.1,50m aus dem Wasser zog. Juan wollte den Angler den Fisch abkaufen, um ihn wieder ins Wasser zu werfen, aber dieser erklärte glaubhaft, dass seine Famile davon recht lange leben könnte.

Baden konnten wir letztlich auch ganz famos an riesigen Sandstränden entlang der Ufer, selbst wenn Hannah immer wieder vor ominösen Süßwasserrochen warnte, die nur darauf warten dir dein Bein zu amputieren...

 

Essen

Eigentlich war dies unsere heimliche Hauptbeschäftigung. Dreimal am Tag ging es flussabwärts zu einer befreundeten Secoya-Familie, die uns die ganze Zeit über versorgte. Dabei aßen wir fast nur traditionelles Essen der Region: Casabe (Brot aus Yuccawurzeln, bei uns als Maniok bekannt), grüne Bananen, als Kartoffelersatz und höllisch scharfe Aji-Schoten gehörten zu jeder Mahlzeit dazu. Egal ob Cachama (eine Art Piranha), Hühnerfüße oder geräuchtes Waldrehfleisch. Ich versuchte weitestgehend mein Vegetarierdasein aufrecht zu erhalten, doch ganz hat es letztendlich nicht geklappt. Ob ich letztlich den Hühnerfüßen widerstanden habe, das ist ein Geheimnis, dass ich mit ins Grab nehmen werde...

Secoya

Das Gebiet, in dem wir uns aufhielten, war ein Reservat des indigenen Secoya-Stammes. Juan hatte vor ca.10 Jahren ein Projekt begonnen mit den meist noch in Subsistenzwirtschaft lebenden Menschen vor Ort und einem sozial engagierten Multimillionär aus Östereich. Seitdem kommen viele reiche Touristen, die die Kultur der Secoyas näher kennenlernen und ihnen durch Abnahme von Kunsthandwerk eine Alternative zum teilweise harten Selbstversorgeralltag liefern. Jeden Tag lernten wir neue Menschen aus der Gemeinschaft kennen, die uns über ihre Traditionen, aber auch über Ängste im Umgang mit der technologisierten „ modernen Zivilisation“ berichteten. Flussabwärts entsteht seit einigen Jahren eine Ölförderanlage und täglich fahren Fähren und Schnellbooten durch das Reservat. Eine besonders gruselige Geschichte, war die massenhafte Sterilisation von indigenen Männern, die die Ölgesellschaft mit finanziellen Belohnungen zu diesem Schritt bewegte. Wo keine Kinder, da kein zukünftiger Widerstand...

Am letzten Tag unserer Reise wurden wir vom Schamanen des Dorfes rituell gereinigt und direkt nach Beendigung der Prozedur dazu angehalten doch ein paar Dollar in Schmuck zu investieren.
Da die Eindrücke viel zu zahlreich waren, werde ich gerne mehr erzählen, wenn ich wieder zuhause bin, da dies sonst das Blog sprengen würde...

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Was aber doch unbedingt noch berichtet werden muss, sind die Umstände unserer Rückreise. Erstmal hatten wir einen weiteren Passagier dabei, einen Hahn, den Hannahs Papa einer Familie abgekauft hatte und der muntergackernd im Auto zwischen Andi und mir auf der Rückbank im Karton saß, dann waren wir alle noch in traditionellen Mustern geschminkt vom Abschlussabend. Juan sogar im Gesicht. (Die Farbe geht frühestens nach sieben Tagen ab.)

In der Konstellation fuhren wir in sage und schreibe drei Verkehrs- und eine Drogenkontrolle des ecuadorianischen Militärs und der Polizei. Ich verstehe bis heute nicht wie uns die Antidrogeneinheit lediglich mit einem „Seid ihr Hippies?“ hat weiterfahren lassen. Vielleicht waren wir einfach zu auffällig mit unserer Kriegsbemalung, dem Hahn auf der Rückbank, Shakira hörend und den Geruch eines mobilen Hühnerstalls ausdünstend...

P.S. Andi hat mir liebenswerter Weise noch sein Gesamtübersichtsgemälde unseres Abenteuers eingescannt, wo alles noch einmal bildlich nachvollzogen werden kann. Viel Spaß damit!



     


14Sept
2010

Überleben ist ein Privileg, das verpflichtet...

Liebe Couchpotatoes,

ich habe diese Prüfung bestanden! Den widrigsten Umständen getrotzt, Taranteln und Schlangen zu wider und bin seit gestern Abend wieder im Schoße der technologiesierten "Zivilisation". Natürlich versuche ich all die mächtigen Eindrücke, Erlebnisse und Gedanken in Worte und Bilder zu fassen, aber es wird wohl noch den ein oder anderen Moment dauern, denn die universitären Verpflichtungen schlagen gerade wieder mit aller Brutalität zu...

Doch damit das Warten nicht zu schwer fällt, hier ein kleiner Vorgeschmack...

08Sept
2010

Wenn man Fische studieren will, wird man am besten selber zum Fisch...

...dachten wir uns und schmissen uns in die Untiefen der Balladaresischen Teiche. Was wir dort trafen, überstieg unsere schlimmsten Befürchtungen: Übelriechender Schlick und monströse Koikarpfen begleiteten uns durch den Tag, während wir mit Keschern, Wasserpumpen und Eimern bewaffnet daran gingen die Gewässer der Gartenanlage von Schlamm und Laub zu befreien. Die zwei Entenküken waren erst begeistert, ob der Tiefen, die sie plötzlich bei der Nahrungssuche erreichten. Als dann aber alle 7 Teiche trockengelegt waren, taten die schlammverschmierten Tierchen uns doch etwas leid. Zumal das Hundebaby sie, dank fehlender Rückzugsgebiete, durch den Garten jagen konnte, wie es lustig war.

 KoikarpfengartenteichfischerGartenteichschlickbeseitigung

Gefühlte 1000 umgesetzte Koikarpfen und 1000 Eimer entsorgten Schlick später fallen wir gleich übelriechend und in Vorfreude auf unsere Urwaldabenteuer in die Betten.
Der nächste Kurzbericht folgt dann erst am Montag, nach unserer Rückkehr,

Um die Laune solange aufrechtzuerhalten hier noch ein paar Bilder von meiner aktuellen, schon viel besungenen Unterkunft bei den Balladares.

Drückt mir die Daumen, dass Malariamücken, Vogelspinnen und Kaimane mich am Leben lassen. Hasta luego!

07Sept
2010

Wenn ein Narr auf den Markt geht, freuen sich die Krämer...

 

Die Tage gehen ins Land und ich komme langsam in selbigem an. Um nicht den Überblick zu verlieren, versuche ich mal die letzten 3 Tage in einem Kurzüberblick zusammenzufassen.

Gerade kommen wir aus dem türkischen Dampfbad im Garten, wo wir uns von selbstgepflücktem Eucalyptus, Kamille und Pfefferminze einmal ordentlich die Bronchien haben durchpusten lassen. Das war die Belohnung für unseren Uniarbeitstag...es ist schwer sich hier auf die letzten Arbeiten für das Semester zu konzentrieren, wenn draußen vor dem Fenster die Kolibris schwirren und das Hundebaby dich mit großen Augen anguckt, als wolle es dir sagen: „Du Idiot, warum hast du deine Arbeiten nicht zuhause gelassen...“

Nun denn, die zwei Tage vorher waren doch recht dicht gepackt und so konnte ich den Tag auch zum Verabeiten der Eindrücke nutzen.

Am Samstag war wie bereits angekündigt die große Geburtstagsfeier von Mathilda, der einjährigen Nichte von Hannah, die für ihr junges Alter doch ein recht stattliches Fest organisiert bekommen hat. Es war die ganze Familie da und viele Freunde (lustigerweise auch einige deutsche Emigrant_innen). Andi und ich haben wir versprochen unsere Djungelbuchnummer durchgezogen und den Kindern einen lustigen Nachmittag beschert. Uns hingegen lief die Suppe, da Mittagssonne und Bärenfell eine eher unangenehme Kombination darstellten. Vorallem bei unserer tollen Choreographie...

Bagheera und Balou

Abends setzte ich das erste Mal meinen Fuß nach Quito, eine sehr lebhafte Stadt mit vielen Gesichtern. Überall fuhren Busse mit Musikkapellen auf dem Dach herum und trotz Regen war es erstaunlich voll in den Straßen. Bei einem ersten kulinarischen Herantasten an die ecuadorianische Küche stellte ich meinen Magen den ersten Härtetest, doch weder Kartoffelsuppe, noch Schwarze Bohnen oder Canelazo (Zuckerrohrschnapspunsch) konnten mich aus der Bahn werfen.
Zuvor hatten kurz wir einen Kongress besucht, in denen es um Formen der Partizipation ging. Veranstaltet vom "Ministerium für soziale Bewegungen" (!)...Sehr beeindruckende Sache.

Am Sonntag war ein Tagesausflug nach Otavalo geplant. Früh aufgestanden besuchten wir zunächst eine Greifvogelstation, in der verletzte oder kranke Vögel auf ihre Wiederauswilderung vorbereitet wurden. Dort waren auch einige eindrucksvolle Kondore zu bestaunen. Die Tiere sind mit einer Spannweite von 3,20 nicht umsonst die Symboltiere der Andenregion.

Kurz vor Otavalo waren wir dann da. Am Mittelpunkt der Erde. Ich hatte es mir spektakulärer vorgestellt, aber immerhin. Man wechselt nicht alle Tage von der Süd- auf die Nordhalbkugel, und wieder zurück.

Mathilda trifft das Wappentier der USAEl Rey

In Otavalo angekommen stürzten wir uns direkt in das bunte Markttreiben. Da die Stadt hauptsächlich von Indiginas bewohnt wird, ist sie berühmt für ihr traditionelles Kunsthandwerk.Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, und bald auch nicht mehr aus dem Kaufen.

Es gab unglaublich viel schöne Kleidung, Schmuck und Kunst. Da Andi und ich auf der Suche nach einem Alpacca-Pullover waren, nahm uns Juan mit in die Weberei eines Freundes, der weltweit für seine Alpacca-Produkte bekannt ist. Er zeigte uns traditionelle Färbetechniken und schließlich verließen wir eingepackt in feiner Babyalpacca-Wolle die Stadt...

07Sept
2010

Reisender, es gibt keine Wege, Wege entstehen im Gehen...

Liebe Daheimgebliebenen,

jetzt kann ich also mit Fug und Recht behaupten, ich sei einen wirklichen Tag in Ecuador gewesen. Und die Eindrücke prasseln nur so auf mich ein. Aber der Reihe nach:

Wie bereits berichtet kam ich statt wie geplant um 23.00Uhr erst um 8.00Uhr morgens an. Grund dafür war dichter Nebel in Quito der eine Landung unmöglich machte, deswegen mussten wir beim ersten Versuch abdrehen und nach Guayaquil in den Süden fliegen. Dort standen wir 3 Stunden auf dem Flugplatz, durften nicht raus und als nach 2 Stunden dann doch die Türen aufgemacht wurden hieß es, wir dürfen gehen aber dann nicht mehr zurückkommen und das Gepäck bleibt auch an Bord. Gleichzeitig wurden dort meine Sitznachbarn des Flugzeugs verwiesen, da sie eigenen Whiskey in großen Maßen an Bord konsumiert haben. Mittlerweile war es also 3 Uhr nachts (10Uhr morgens nach innerer Uhr) und wir bekamen die Nachricht wir könnten endlich in Quito landen. Kurz bevor wir dort auf die Landebahn aufsetzten startete der Kapitän durch und uns wurde mitgeteilt wir müssten wieder zurück nach Guayaquil. Wir hatten schon lange weder Wasser, noch Essen an Bord, da alles nur für den geplanten 5 Stunden Flug ausgelegt war. Demenstprechend war die Stimmung am Boden und als wir dann morgens um 8 Uhr endlich landen konnten. Ich hatte bis dahin eine Nettoflugzeugzeit von 24 Stunden (10 Stunden Transatlantik und 14 Stunden nach Quito), in 48 Stunden nur 3 geschlafen, den Jetlag von 7 Stunden noch nicht berücksichtigt, steige aus dem Flugzeug und...musste mich erstmal gepflegt auf den Boden setzen. Das Atmen auf 3000m Höhe (mit plötzlicher Umstellung und ohne langsame Gewöhnung) ist ungefähr mit dem Gefühl zu vergleichen, das sich aufbaut wenn mensch zu schnell ein Schlauchboot aufpustet oder lange unter Wasser war. Es fühlt sich also an wie high und schwindelig gleichzeitig. Super Sache: Höhenkrank, übernächtigt und ausgetrocknet. In dem Moment konnte mich dann nur eines trösten: Andi und Hannah hatten die ganze Nacht am Flughafen übernächtigt, um mich nicht zu verpassen und so erwarteten mich zwei mindestens genau so genervte und erschöpft Menschen in der Empfangshalle.

Diese Aktion hat echt alles in den Schatten gestellt. Selbst die US-Border Control (Ich wurde mit „Yo man, how ya doin?“ empfangen) war ein pures Vergnügen gegenüber dieser Horrornacht. Auch die Flugbegleitung hatte soetwas in Jahrzehnten des Fliegens nicht erlebt: 4 Mal über ganz Ecuador fliegen...Einen Vorteil hatte es aber erst im Morgenlicht zu landen: Die majestetischen Gebirgszüge, die Quito einrahmen, strahlten in der aufgehenden Sonne eine sehr versöhnliche Stimmung aus.

Nun verbrachte ich also die meiste Zeit mit Schlafen und dem Aufwachen um komische Urzeiten (als ich um 5.30 Uhr wachwurde, war nahezu das ganze Haus schon auf den Beinen), Sparzierengehen in der Umgebung, erster Stadtbesuch und viel leckeres Essen. Um die ersten Eindrücke kurz rüberzubringen hier ein paar Stichpunkte:

-Es gibt wahnsinnig viele Hunde. Jedes Haus hat 2-4 und sie fallen dich auch direkt bellend an wenn du vorbei gehst. Dazu kommt der große Anteil an Straßenhunden, die so zahlreich auftreten, dass überall an den großen Straßen tote Hunde rumliegen, die vorher auf den Fahrbahnen herumrannten. Schön für mich ist, dass Hannahs Familie auch 3 Hunde hat. Ein Bobtail mit langen Zottelhaaren, einen riesigen Weimaraner und ein wenige Wochen alte Golden-Retriever- Hundewelpe...

Eso es pequena Irgendwann wollte sie dann nicht mehr...

-Die Kluft zwischen der breiten armen Schicht und der dünnen reichen ist auf den ersten Blick sofort zu erkennen. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es sowohl prächtige Haciendas mit riesigem Landbesitz und direkt daneben wohnen Familien in Hütten, die in Deutschland selbst als Schuppen ausgedient hätten.

-Um die Überleitung zu meiner Unterkunft zu bekommen: Ich bin in einen Palast eingezogen. Unfassbar. Hannahs Eltern haben über Jahrezehnte ein Haus aufgebaut, dass in Worten kaum zu fassen ist. Jeder Quadratmeter ist anders künstlerisch gestaltet, es ist riesig, jedes Zimmer hat ein eigenes Bad, unzählige Balkons und Blumenbeete im Haus. Ein großer, fast bin ich geneigt Park zu sagen, Garten säumt das Haus mit zig Teichen, darin Kois und Entenküken. Ein selbstgebauter Pool mit chinesischem Flair, ein türkisches Dampfbad. Terrassen, Kaskaden, Bananenstauden, Gemüsebeete, Sitzecken, Lauben, verwinkelte Wege und und und. Zu dem sind überall im Garten Tiere: Kaninchen, Katzen, Meerschweinchen, Fasane, Hühner und eine Vogelvolaire wo viele bunte Vögel wohnen, die aber immer rauskönnen wenn sich möchten...fast schäme ich mich hier zu wohnen, so schön ist es...

-Die Landschaft ist unglaublich schön. Riesige Berge umranden das Tal und ein 5000+ ist, schneebedeckt, darunter zuerkennen. Die Fauna ist üppig und wild: Eucalyptusbäume, Bananenstauden und unzählige mir unbekannte Pflanzen. Überall stehen angebundene Kühe dazwischen und manchmal auch ein Alpacca oder Lama (Hannahs Familie hat auch zwei)

AlpaccasLeckere Landschaft

-Essen gibt es fast nur aus dem Garten oder aus dem Regenwald, gestern kam Hannahs Papa mit Säcken voller Avocados, Orangen, Kokosnüssen und weiteren Leckerbissen von seiner befreundeten indigenen Gemeinschaft. Es gibt soviel frisches Obst: Ananas, Papaya, Erdbeeren und viel das ich nicht einordnen kann. Jeden Tag diverse frisch gepresste Säfte.

-Ich bin heute für 43 Cent eine Stunde Bus gefahren

-Morgen hat Hannahs Nichte Geburtstag und deswegen haben Andi und ich heute Tierkostüme ausgeliehen und spielen morgen Theater für den Kindergeburtstag, zum Glück reden die Kinder noch nicht...Ich bin Bär, Andi Tiger. Wenn das mal gut geht...

So bei euch ist es jetzt 4.22Uhr, bei uns erst 21.22Uhr. Ein gutes Zeichen ist, dass ich noch nicht unglaublich müde bin. Ich glaube die Flugaktion hat mich so durcheinander gebracht, dass der Jetlag wieder ausgeglichen wurde.


Trotzdem geh ich mal lieber langsam ins Bett. Rote Blutkörperchen züchten.Beim Sparzierengehen fühle ich mich hinterher wie nach einem Marathon.

Die Familie hat aber einen sehr angenehmen Rhythmus.Das fällt also kaum auf, wenn ich früh in die Horizontale gehe....